Mittwoch, 14. Januar 2009

Über den Vin Santo - auch "Meditationswein" genannt

Der alte Brauch der toskanischen Familien, nach der Ernte an einem luftigen Ort und dem Dach Trauben zum Trocknen aufzuhängen und daraus, wenn die Beeren fast zu Rosinen geschrumpft sind, den übrig gebliebenen, süßen Saft abzupressen und vergären zu lassen, erlebt zur Zeit eine Auferstehung bei den Weinerzeugern, die darin ein interessantes Zusatzprodukt sehen.

Vin santo, der Name erinnert an seinen Einsatz als Messwein, wird meist aus den weißen Sorten Trebbiano und Malvasia hergestellt. Er reift jahrelang in kleinen Fässchen, den Caratelli, auf den Dachböden. Im Sommer können die Temperaturen dort bis über fünfzig Grad ansteigen. Das führt zu einer Verdunstung, die aber gleichzeitig einer Verdichtung des Weines gleichkommt.
Das Resultat ist denn auch eine fast ölige Konsistenz, eine oft üppige Süße und ein Alkoholgehalt von bis zu 17 Grad. Daher kommt auch der Begriff Likörweine. Die Farbe variiert von Goldgelb bis Bernsteinbraun. Die Qualität ist sehr unterschiedlich; der Zufall regiert allzu oft bei der Herstellung. Trotzdem hat der Vin santo in einigen wenigen Gebieten, auch im Chianti classico, DOC-Status erlangt.

Diese Elixiere sind ausgesprochene Dessertweine, schmecken köstlich zu Kuchen oder Gebäck aller Art, eigenen sich aber auch zum stillen Genießen. In Italien werden sie deshalb auch mit dem schönen Namen „Meditationsweine“ bezeichnet.

DOC (Denominazione di Origine controllato).
Diese Auszeichnung haben in der Toskana 25 Anbauzonen. Sie besagt, dass diese Weine recht strenge Kriterien in Bezug auf Traubensorten, Erntemenge, Alkoholgehalt und Reifezeit erfüllen müssen.

Quelle: Rolf Kriesi. Die Weine der Toskana. Falken Verlag, Niedernhausen/Ts., 1999

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